Eine Schwangerschaft verändert vieles – manchmal auch die Haut. Wer bereits vor der Schwangerschaft Neurodermitis hatte, stellt möglicherweise fest, dass sich Juckreiz, trockene Haut und Ekzeme plötzlich verändern. Bei manchen Frauen bessert sich die Haut, bei anderen werden die Beschwerden stärker. Auch ein erstmaliges Auftreten atopischer Hautveränderungen während der Schwangerschaft ist möglich.
Die gute Nachricht: Neurodermitis lässt sich auch während der Schwangerschaft behandeln. Eine konsequente Basispflege spielt dabei eine besonders wichtige Rolle. Bei stärkeren Beschwerden stehen darüber hinaus verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Medikamente sollten während der Schwangerschaft jedoch immer individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
Neurodermitis kann sich während der Schwangerschaft sowohl verbessern als auch verschlechtern.
Hormonelle und immunologische Veränderungen können den Zustand der Haut beeinflussen.
Neurodermitis selbst ist nicht ansteckend und wird nicht auf das ungeborene Kind „übertragen“.
Eine genetische Veranlagung für atopische Erkrankungen kann allerdings vererbt werden.
Eine tägliche Basispflege mit rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Produkten gehört auch in der Schwangerschaft zu den wichtigsten Maßnahmen.
Auch bestimmte kortisonhaltige Cremes können bei Neurodermitis während der Schwangerschaft infrage kommen. Anwendung, Wirkstärke und Dauer sollten ärztlich abgestimmt werden.
Ein neuer oder ungewöhnlich starker Hautausschlag während der Schwangerschaft sollte ärztlich abgeklärt werden – nicht jeder juckende Ausschlag ist Neurodermitis.
Warum kann sich Neurodermitis in der Schwangerschaft verändern?
Neurodermitis – medizinisch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem – ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Typisch sind trockene, empfindliche Haut, Ekzeme und teilweise ausgeprägter Juckreiz.
Die Erkrankung verläuft meist in Phasen: Beschwerdeärmere Zeiten wechseln sich mit akuten Schüben ab.
Während einer Schwangerschaft verändert sich der Körper erheblich. Neben dem Hormonhaushalt passt sich auch das Immunsystem an die Schwangerschaft an. Diese Veränderungen können wiederum entzündliche Hauterkrankungen beeinflussen.
Die europäische EuroGuiDerm-Leitlinie beschreibt, dass sich ein bereits bestehendes atopisches Ekzem während der Schwangerschaft verschlechtern oder nach längerer beschwerdefreier Zeit erneut auftreten kann. Auch ein erstmaliges Auftreten atopischer Hautveränderungen während der Schwangerschaft ist möglich.
Welche Rolle spielt das Immunsystem?
Während der Schwangerschaft verändert sich die Regulation des Immunsystems. Unter anderem wird eine Verschiebung in Richtung einer sogenannten Th2-dominierten Immunantwort diskutiert.
Da Th2-vermittelte Immunprozesse auch bei Neurodermitis eine wichtige Rolle spielen, gilt diese Veränderung als eine mögliche Erklärung dafür, warum sich atopische Hauterkrankungen während einer Schwangerschaft verändern können.
Auch körperlicher und psychischer Stress können den Hautzustand zusätzlich beeinflussen.
Die europäische EuroGuiDerm-Leitlinie nennt sowohl die veränderte Immunantwort während der Schwangerschaft als auch körperlichen und psychischen Stress als mögliche Faktoren für eine Verschlechterung atopischer Ekzeme.
Wird Neurodermitis in der Schwangerschaft schlimmer?
Das lässt sich nicht pauschal vorhersagen.
Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass die vorhandenen Studien zum Verlauf der Neurodermitis während einer Schwangerschaft teilweise unterschiedliche Ergebnisse liefern.
Das bedeutet: Eine Schwangerschaft führt nicht automatisch zu einem Neurodermitis-Schub.
Manche Frauen bemerken eine Verschlechterung, bei anderen verändert sich die Erkrankung kaum und bei einem Teil bessern sich die Beschwerden.
Die EuroGuiDerm-Leitlinie berichtet, dass Verschlechterungen eines bereits vorhandenen atopischen Ekzems insbesondere im zweiten und dritten Trimester beobachtet werden. Ein erstmaliger atopischer Ausschlag während der Schwangerschaft tritt dagegen häufig bereits früher auf.
Individuelle Trigger spielen zusätzlich eine Rolle.
Dazu gehören beispielsweise:
Stress
Schlafmangel
starkes Schwitzen
Hitze
trockene Raumluft
häufiges heißes Duschen
aggressive Reinigungsprodukte
Duftstoffe und ungeeignete Kosmetik
bestimmte Textilien
bereits bekannte individuelle Allergene oder Reizstoffe
Neurodermitis oder Schwangerschaftsdermatose?
Nicht jeder Hautausschlag in der Schwangerschaft ist automatisch Neurodermitis.
Während einer Schwangerschaft können verschiedene Hauterkrankungen auftreten. Dazu gehört auch die sogenannte atopische Schwangerschaftsdermatose bzw. Atopic Eruption of Pregnancy (AEP).
Sie kann Neurodermitis ähneln und mit starkem Juckreiz, trockener Haut und ekzemartigen Veränderungen einhergehen.
Daneben gibt es weitere schwangerschaftsspezifische Hauterkrankungen und Ursachen für Juckreiz.
Deshalb gilt insbesondere bei einem erstmals auftretenden, ungewöhnlichen oder sehr starken Ausschlag: Die Ursache sollte ärztlich abgeklärt werden.
Das gilt auch für ausgeprägten Juckreiz ohne die für Neurodermitis typischen Hautveränderungen.
Ist Neurodermitis in der Schwangerschaft gefährlich für das Baby?
Diese Sorge beschäftigt viele werdende Mütter.
Nach dem derzeitigen Forschungsstand gibt es keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass eine Neurodermitis grundsätzlich zu schlechteren Schwangerschafts- oder Geburtsergebnissen führt.
Eine 2026 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit untersuchte 24 Studien zum Thema atopische Dermatitis und Schwangerschaft. Insgesamt kamen die Forschenden zu dem Ergebnis, dass Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen bei Frauen mit atopischer Dermatitis insgesamt vergleichbar mit Frauen ohne atopische Dermatitis waren. Bei einzelnen untersuchten Komplikationen war die Studienlage allerdings uneinheitlich.
Neurodermitis ist außerdem nicht ansteckend. Die Erkrankung kann daher nicht im klassischen Sinne von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden.
Kann Neurodermitis vererbt werden?
Was weitergegeben werden kann, ist eine genetische Veranlagung für atopische Erkrankungen.
Neurodermitis entsteht aus einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu gehören unter anderem genetische Faktoren, Veränderungen der Hautbarriere, immunologische Prozesse und Umwelteinflüsse.
Hat ein Elternteil Neurodermitis oder eine andere atopische Erkrankung, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass auch das Kind Neurodermitis entwickeln wird. Die Wahrscheinlichkeit kann jedoch erhöht sein.
Was hilft bei Neurodermitis in der Schwangerschaft?
Die Behandlung richtet sich danach, wie ausgeprägt die Erkrankung ist.
Bei leichter Neurodermitis steht vor allem die konsequente Pflege und Stabilisierung der Hautbarriere im Vordergrund.
Bei stärkeren Schüben können entzündungshemmende Medikamente notwendig werden.
Ein wichtiger Grundsatz lautet dabei: Eine Schwangerschaft bedeutet nicht, dass Neurodermitis grundsätzlich unbehandelt bleiben sollte.
Fachpublikationen zur Behandlung atopischer Dermatitis in der Schwangerschaft betonen, dass sowohl eine unnötige Medikamentenexposition als auch eine unzureichend behandelte schwere Erkrankung vermieden werden sollten. Bei ausgeprägter Neurodermitis sollte die Therapie deshalb gemeinsam von Dermatologie und Gynäkologie geplant werden.
1. Basispflege: Die Hautbarriere konsequent unterstützen
Eine gestörte Hautbarriere gehört zu den zentralen Merkmalen der Neurodermitis.
Dadurch verliert die Haut leichter Feuchtigkeit und reagiert empfindlicher auf äußere Reize.
Eine regelmäßige Basispflege versucht deshalb, diesen Kreislauf zu unterbrechen.
Die deutsche S3-Leitlinie zur atopischen Dermatitis empfiehlt Emollienzien ausdrücklich auch während der Schwangerschaft als tägliche Basistherapie.
Geeignet sind insbesondere Pflegeprodukte, die:
Feuchtigkeit spenden,
den Feuchtigkeitsverlust reduzieren,
die Hautbarriere unterstützen,
möglichst wenige potenziell reizende Inhaltsstoffe enthalten und
zur individuellen Hautsituation passen.
Die Leitlinie weist darauf hin, dass kein einzelnes Emolliens pauschal für alle Schwangeren empfohlen werden kann. Genannt werden insbesondere lipidreiche Formulierungen mit möglichst wenigen potenziell problematischen Inhaltsstoffen.
Welche Creme eignet sich bei Neurodermitis in der Schwangerschaft?
Das hängt stark vom individuellen Hautzustand ab.
Bei sehr trockener Haut können reichhaltigere Cremes oder Salben sinnvoll sein. Bei weniger trockener oder akut entzündeter Haut werden häufig leichtere Formulierungen bevorzugt.
Inhaltsstoffe, die in Produkten für trockene und atopische Haut verwendet werden, sind beispielsweise:
Glycerin
hautverwandte Lipide
Ceramide
Squalan
Urea
Ectoin
Wichtig ist weniger ein einzelner „Wunderwirkstoff“ als eine konsequent angewendete und gut verträgliche Basispflege.
Eine mögliche Option für die Pflege atopischer Haut sind beispielsweise Produkte mit Ectoin. Der Hersteller ectocare bietet unter anderem eine medEctoin® Intensiv Pflegende Basis Creme für trockene und atopische Haut an. Laut Hersteller enthält sie 3,5 % medEctoin® sowie biomimetische Lipidstrukturen und ist als tägliche Basispflege bei Neurodermitis konzipiert.
Wichtig: Die Eignung eines konkreten Produkts während der Schwangerschaft sollte insbesondere bei Unsicherheiten anhand der Inhaltsstoffe und gegebenenfalls mit der behandelnden Ärztin, dem behandelnden Arzt oder der Hebamme abgeklärt werden.
2. Juckreiz möglichst früh durchbrechen
Juckreiz gehört zu den belastendsten Symptomen einer Neurodermitis.
Das Problem ist der typische Juckreiz-Kratz-Kreislauf:
Juckreiz → Kratzen → Verletzung der Hautbarriere → Entzündung → stärkerer Juckreiz.
Deshalb kann es helfen, bereits bei beginnendem Juckreiz gegenzusteuern.
Mögliche Maßnahmen sind:
Haut regelmäßig eincremen
betroffene Hautstellen vorsichtig kühlen
Fingernägel kurz halten
luftige, hautfreundliche Kleidung tragen
starkes Schwitzen vermeiden
Schlafzimmer eher kühl halten
individuelle Trigger reduzieren
Bei starkem oder anhaltendem Juckreiz sollte allerdings die Ursache geklärt werden.
3. Richtig duschen und baden
Sehr heißes Wasser kann die Haut zusätzlich austrocknen.
Bei Neurodermitis ist es deshalb häufig angenehmer:
lauwarm statt sehr heiß zu duschen,
die Duschzeit nicht unnötig auszudehnen,
milde Reinigungsprodukte zu verwenden,
die Haut anschließend vorsichtig trocken zu tupfen statt stark abzurubbeln und
zeitnah eine geeignete Basispflege aufzutragen.
Darf man Kortison bei Neurodermitis in der Schwangerschaft verwenden?
Kortison sorgt bei vielen Schwangeren zunächst für Unsicherheit.
Dabei muss zwischen lokal aufgetragenen Kortikosteroiden und einer systemischen Kortisontherapie unterschieden werden.
Die deutsche S3-Leitlinie zur atopischen Dermatitis empfiehlt auch während der Schwangerschaft bei entsprechender Indikation die reaktive oder proaktive Verwendung bestimmter topischer Kortikosteroide.
Die Leitlinie verweist dabei auf umfangreiche Daten zur Anwendung topischer Kortikosteroide während der Schwangerschaft. Ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang mit angeborenen Fehlbildungen, Frühgeburt oder fetalem Tod konnte darin nicht festgestellt werden. Bei sehr starken Präparaten und umfangreicher Anwendung ist allerdings besondere Zurückhaltung geboten.
Nach der deutschen S3-Leitlinie können topische Kortikosteroide auch während der Schwangerschaft Bestandteil einer Neurodermitis-Therapie sein. Entscheidend sind unter anderem Wirkstärke, behandelte Fläche, Dauer und individuelle Situation.
Deshalb sollte Kortison während der Schwangerschaft nicht grundsätzlich aus Angst abgesetzt oder vermieden werden.
Genauso wenig sollte eine Kortisoncreme jedoch ohne Rücksprache großflächig oder über längere Zeit angewendet werden.
Was ist mit anderen Neurodermitis-Medikamenten?
Bei schwerer Neurodermitis reichen Basispflege und lokale Behandlung manchmal nicht aus.
Dann können weitere Therapien erforderlich werden.
Hier ist während der Schwangerschaft eine besonders sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung notwendig.
Die deutsche S3-Leitlinie macht beispielsweise klare Unterschiede zwischen den verschiedenen Wirkstoffen. Bestimmte systemische Medikamente wie JAK-Inhibitoren, Methotrexat und Mycophenolat-Mofetil sollen während einer Schwangerschaft nicht angewendet werden.
Auch für neuere Biologika ist die Datenlage teilweise noch begrenzt.
Eine langfristige systemische Behandlung mit Glukokortikosteroiden wird bei Neurodermitis ebenfalls nicht empfohlen.
Bei schwerer Neurodermitis gehört die Behandlung deshalb in dermatologische Betreuung.
Eine hilfreiche unabhängige Anlaufstelle für Fragen zu konkreten Arzneimitteln während Schwangerschaft und Stillzeit ist außerdem das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité – besser bekannt als Embryotox.
Welche Hausmittel helfen bei Neurodermitis in der Schwangerschaft?
Bei Hausmitteln ist Zurückhaltung sinnvoll.
„Natürlich“ bedeutet nicht automatisch hautfreundlich oder für eine Schwangerschaft geeignet.
Unproblematische Maßnahmen können beispielsweise sein:
Kühlen: Ein kühler, feuchter Waschlappen kann akuten Juckreiz kurzfristig lindern.
Hautfreundliche Kleidung: Weiche und atmungsaktive Stoffe können mechanische Reizung reduzieren.
Raumklima: Sehr trockene und stark beheizte Räume können trockene Haut zusätzlich belasten.
Stress reduzieren: Entspannung und ausreichend Schlaf können indirekt helfen, bekannte Trigger zu reduzieren.
Vorsicht ist dagegen bei ätherischen Ölen, aggressiven DIY-Mischungen oder stark reizenden Substanzen geboten. Gerade bereits geschädigte Neurodermitis-Haut reagiert darauf teilweise empfindlich.
Welche Rolle spielt die Ernährung?
Eine spezielle „Neurodermitis-Diät“ gibt es nicht.
Ohne nachgewiesene Allergie sollten Schwangere nicht vorsorglich ganze Lebensmittelgruppen aus ihrer Ernährung streichen.
Gerade während der Schwangerschaft ist eine ausreichende Versorgung mit Energie, Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen wichtig.
Wer vermutet, dass bestimmte Lebensmittel regelmäßig Hautreaktionen auslösen, sollte dies deshalb nicht mit einer umfangreichen Eliminationsdiät auf eigene Faust testen.
Sinnvoller ist eine ärztliche beziehungsweise allergologische Abklärung.
Was kann einen Neurodermitis-Schub während der Schwangerschaft auslösen?
Die Trigger unterscheiden sich von Mensch zu Mensch.
Häufig diskutierte Faktoren sind:
Stress und psychische Belastung
Schlafmangel
Hitze und starkes Schwitzen
trockene Luft
häufiges oder heißes Duschen
aggressive Seifen und Reinigungsprodukte
Duftstoffe
bestimmte Textilien
bekannte Kontaktallergene
individuelle Allergien
Hautinfektionen
Ein kleines Symptom- und Trigger-Tagebuch kann helfen, persönliche Zusammenhänge besser zu erkennen.
Wann sollte man mit Neurodermitis in der Schwangerschaft zum Arzt?
Eine bekannte leichte Neurodermitis lässt sich häufig gut mit der gewohnten, geeigneten Basispflege kontrollieren.
Ärztlich abgeklärt werden sollten jedoch insbesondere:
plötzlich neu auftretende Hautausschläge,
ungewöhnlich starke Hautveränderungen,
sehr starker oder generalisierter Juckreiz,
nässende oder stark entzündete Ekzeme,
gelbliche Krusten oder andere Hinweise auf eine Infektion,
Schmerzen,
Fieber,
großflächige Hautveränderungen,
Beschwerden, die den Schlaf stark beeinträchtigen,
rasche Verschlechterungen und
Unsicherheiten bezüglich Medikamenten.
Gerade starker Juckreiz während der Schwangerschaft sollte nicht automatisch als Neurodermitis eingeordnet werden, da dahinter auch andere schwangerschaftsbedingte Erkrankungen stecken können.
Was passiert mit Neurodermitis nach der Geburt?
Auch nach der Geburt kann sich der Hautzustand erneut verändern.
Hormonelle Veränderungen, Schlafmangel, Stress und die körperliche Belastung der ersten Wochen können Einfluss auf die Neurodermitis haben.
Gleichzeitig beginnt für viele Frauen nun die Stillzeit.
Medikamente, die während der Schwangerschaft verwendet wurden, sollten deshalb nicht automatisch unverändert weitergenommen oder abgesetzt werden. Auch für die Stillzeit gelten wirkstoffspezifische Empfehlungen.
Besondere Aufmerksamkeit ist zudem notwendig, wenn medizinische Cremes im Brustbereich verwendet werden: Der Säugling sollte nicht direkt mit Wirkstoffresten in Kontakt kommen.
Wer stillt und gleichzeitig eine behandlungsbedürftige Neurodermitis hat, sollte die Therapie deshalb mit Dermatologie und gegebenenfalls Gynäkologie beziehungsweise Kinderarzt abstimmen.
Häufige Fragen zu Neurodermitis in der Schwangerschaft
Ist Neurodermitis in der Schwangerschaft gefährlich?
Neurodermitis ist grundsätzlich keine Erkrankung, die automatisch zu einer gefährlichen Schwangerschaft führt. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit fand insgesamt keine konsistente Erhöhung von Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen. Schwere oder schlecht kontrollierte Beschwerden sollten dennoch behandelt werden.
Warum wird meine Neurodermitis in der Schwangerschaft schlimmer?
Hormonelle und immunologische Veränderungen können die Neurodermitis beeinflussen. Auch Stress, Schlafmangel, Schwitzen oder Veränderungen der Hautbarriere können Schübe begünstigen.
Kann Neurodermitis in der Schwangerschaft plötzlich auftreten?
Ja. Atopische Hautveränderungen können während einer Schwangerschaft erstmals beziehungsweise nach längerer beschwerdefreier Zeit erneut auftreten. Bei einem neuen Hautausschlag sollte allerdings zunächst ärztlich geklärt werden, um welche Hauterkrankung es sich tatsächlich handelt.
Kann Neurodermitis während der Schwangerschaft auch besser werden?
Ja. Der Verlauf ist individuell. Studien zeigen kein einheitliches Bild: Während sich die Erkrankung bei manchen Frauen verschlechtert, bleibt sie bei anderen stabil oder bessert sich.
Was hilft gegen Neurodermitis in der Schwangerschaft?
Grundlage ist eine konsequente Basispflege zur Unterstützung der Hautbarriere. Zusätzlich sollten individuelle Trigger reduziert werden. Bei entzündlichen Schüben können nach ärztlicher Abklärung auch entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden.
Welche Creme eignet sich bei Neurodermitis in der Schwangerschaft?
Geeignet sind in erster Linie gut verträgliche, feuchtigkeitsspendende und rückfettende Pflegeprodukte für atopische Haut. Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt Emollienzien ausdrücklich als tägliche Basistherapie während der Schwangerschaft.
Darf man Kortisoncreme in der Schwangerschaft benutzen?
Bestimmte topische Kortikosteroide können auch während der Schwangerschaft eingesetzt werden. Welche Wirkstärke, Menge und Anwendungsdauer geeignet sind, sollte insbesondere bei ausgeprägter Neurodermitis ärztlich festgelegt werden.
Ist Neurodermitis für das ungeborene Baby ansteckend?
Nein. Neurodermitis ist keine ansteckende Erkrankung und kann deshalb nicht von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen werden.
Kann mein Baby Neurodermitis erben?
Vererbt werden kann eine genetische Veranlagung für atopische Erkrankungen. Eine familiäre Vorbelastung bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Kind tatsächlich Neurodermitis entwickeln wird.
Sollte ich bestimmte Lebensmittel vermeiden?
Nicht ohne konkreten Grund. Eine pauschale Neurodermitis-Diät wird nicht empfohlen. Insbesondere während einer Schwangerschaft sollten Lebensmittelgruppen nicht ohne ärztliche beziehungsweise ernährungsmedizinische Begründung gestrichen werden.
Wann sollte ich mit einem Hautausschlag in der Schwangerschaft zum Arzt?
Insbesondere bei einem erstmals auftretenden, ungewöhnlichen, großflächigen oder stark juckenden Ausschlag ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Das gilt ebenso bei nässenden Stellen, Schmerzen, Fieber oder Anzeichen einer Infektion.
Fazit: Neurodermitis lässt sich auch während der Schwangerschaft behandeln
Eine Schwangerschaft kann den Verlauf einer Neurodermitis verändern – sie muss aber keineswegs automatisch zu einer Verschlechterung führen.
Besonders wichtig ist jetzt eine konsequente Unterstützung der Hautbarriere. Regelmäßiges Eincremen, das Vermeiden individueller Trigger und ein hautfreundlicher Alltag bilden die Grundlage.
Reicht die Basispflege nicht aus, bedeutet eine Schwangerschaft nicht, dass entzündliche Neurodermitis unbehandelt bleiben muss. Auch verschiedene medizinische Therapien kommen grundsätzlich infrage. Welche davon geeignet ist, hängt jedoch von Wirkstoff, Erkrankungsschwere und Schwangerschaftsphase ab und sollte individuell ärztlich entschieden werden.
Und besonders wichtig: Ein neuer Hautausschlag oder außergewöhnlich starker Juckreiz während der Schwangerschaft sollte nicht vorschnell als Neurodermitis interpretiert werden.
Quellen und weiterführende Literatur
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft / AWMF – S3-Leitlinie Atopische Dermatitis„S3-Leitlinie Atopische Dermatitis (AD) [Neurodermitis; atopisches Ekzem]“, einschließlich der Empfehlungen zur Behandlung während Schwangerschaft und Stillzeit.
- Werfel T. et al. (2026)Update of the evidence- and consensus-based S3 guideline on atopic dermatitis: Systemic therapy with biologics or Janus kinase inhibitors and specific aspects of systemic therapy in pregnancy and lactation. Allergologie Select.
- Nørreslet LB, Agner T, Mortz CG (2026)Pregnancy in Women with Atopic Dermatitis: A Systematic Review of Concerns and Challenges. Acta Dermato-Venereologica.
- EuroGuiDerm – European Guideline on Atopic EczemaLiving Guideline mit Empfehlungen zu Schwangerschaft, Stillzeit und Familienplanung bei atopischem Ekzem.
- Pali-Schöll I. et al. / Review zu allergischen Hauterkrankungen in der SchwangerschaftManagement of Allergic Skin Disorders in Pregnancy. Überblick zu Verlauf und Behandlung atopischer Dermatitis und anderer allergischer Hauterkrankungen während Schwangerschaft und Stillzeit.
- Embryotox – Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité – Universitätsmedizin BerlinUnabhängige Informationen zur Anwendung einzelner Arzneimittel während Schwangerschaft und Stillzeit.
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Insbesondere Medikamente sollten während der Schwangerschaft nicht ohne Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt begonnen, verändert oder abgesetzt werden.


